Über Einsamkeit, Freunde und den Sinn des Lebens
Nachdem ich heute den ganzen Tag „Zuhause“ in Wien vergammelt bin, einen Film nach dem anderen geschaut habe und mich Einsam gefühlt habe, habe ich mich nach einem Chat mit meiner Mutter spontan entschieden nach hause nach Reichenhall zu fahren.
Während der Fahrt habe ich dann über mein Leben nachgedacht und einige Sachen die mein Neffe gesagt hatte. Am Ende ist das ganze dann sogar in Tränen geendet. Kinder haben zum Glück die Fähigkeit die Wahrheit einfach so auszusprechen ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ich finde das super. Er hatte gesagt, das ich mich den einen Abend hab einladen lassen, womit er absolut Recht hatte. Ein anderes mal vor längerer Zeit hatte er mich einmal mit dem Satz ärgern wollen, ich habe gar keine Familie. Ich antwortete, dass er ja auch Teil meiner Familie sei. Richtig. Aber auch was er sagte ist absolut richtig. Ich habe keine Familie die ich selbst gegründet habe und die ohne mich nicht funktionieren würde. Und dies macht mich auch unglücklich.
Hm irgendwie fällt es einem doch schwer seine ganzen wirren Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben, im Gehirn geistern immer nur Fetzen umher, ich versuche es dennoch so gut ich kann.
Der erste Satz, dass ich mich selbst einlade begründet sich dadurch das ich mich absolut Einsam fühle und es für mich einfach ein super Gefühl ist bei meiner Familie zu sein. Es fühlt sich an als wenn man irgendwo dazugehört. Aber das auch nur so halb, wie oben beschrieben wäre eine echte Familie natürlich besser zu der man tatsächlich gehört. Aber zurück zum Wesentlichen: Ich genieße es bei der Familie zu sein weil ich mich sonst einsam fühle. Es ist im Prinzip nur ein Mittel zum Zweck nicht einsam zu sein. Ich nutze die Menschen also aus. Klingt komisch ist aber so.
Prinzipiell ist Freundschaft auch nur ein gegenseitiges ausnutzen um seine eigene Einsamkeit für eine kurze Zeit auszuschalten. Dabei gibt es verschieden Arten von Freunden. Diejenigen denen man im Laufe des Tages begegnet und kleinere bedeutungslose Gespräche führt, diejenigen Freunde, die man aktiv „ausnutzt“ um sich nicht Einsam zu fühlen und diejenigen mit denen man solch tiefe Einblicke in die Seele wie ich sie gerade kundtue teilen kann. Da ich eine mir nicht erklärliche Hemmung habe solche persönlichen Sachen im Gespräch von Angesicht zu Angesicht anzusprechen betrifft die letzte Kategorie die Allgemeinheit die meinen Blog liest bzw. mit denen ich über unpersönlichen Chat mehr sagen kann als es persönlich der Fall wäre.
„Für eine kurze Zeit“. Da ist auch irgendwie schon das nächste Problem. Das miteinander sein ist nur eine kurzweilige Lösung für das Symptom der Einsamkeit. Anstatt eine langfristige Lösung zu sein ist es nur eine kurze Betäubung, nichts weiter als eine Droge. Die Einsamkeit ein Entzugserscheinung. Aber was ist dann der tieferliegende tatsächliche Auslöser für diesen Konflikt?
Meiner Meinung nach ist es das Problem das man selbst nichts mit seinem Leben anfangen kann und keine Begründung für seine eigene Existenz findet. Die Flucht in verschiedene Ablenkungen ist keine Lösung sondern nur temporär. Manche Leute nehmen Drogen, sind Alkoholiker. Ich habe mich früher in Computerspiele geflüchtet, bis zu 12 Stunden am Stück gespielt. Nicht irgendein beliebiges Spiel, es war ein ganz bestimmtes Spiel, auf einem ganz bestimmten Server auf dem eine familienähnliche Stimmung war. Die Flucht in die echte menschliche Gesellschaft kann sich leider manchmal als schwierig erweisen. Die meisten Menschen arbeiten, lernen, und sowieso ist es nicht ihre Aufgabe nur für mich da zu sein um mich zu unterhalten und mich durch ihre Anwesenheit davon abzulenken wie scheiße mein Leben doch eigentlich ist. Stichwort ausnutzen.
Im Prinzip bin ich ein absolut Egoistischer Mensch. Ich will dass andere Leute mich unterhalten aber im Idealfall bräuchte ich gar keine Menschen. Wäre ich von mir selbst aus Glücklich bräuchte ich keine Menschen die mich von meinem Unglück ablenken. Schon seit längerem ist es mein Traum ein Arbeitsoholiker (engl. Workoholic) zu sein. Jemand der rein durch seine Tätigkeit Glücklich ist und daher nichts anderes im Kopf hat. Wozu sollte man dann noch zwischenmenschliche Kontakte pflegen wenn man durch etwas anderes Glück erhält.
Ich habe leider den Fluch das ich in allem die größeren Zusammenhänge erkenne. Das heißt ich bin mir dessen bewusst, das der zwischenmenschliche Kontakt nur eine Sucht ist die meine Einsamkeit lindert. Das wäre kein Problem wenn ich mich nicht durch den reinen Gedanken jemand anderen für meine Zwecke auszunutzen schlecht fühlen würde.
Im Endeffekt läuft aber alles darauf hinaus das ich mich mal wieder in einer sehr großen Krise befinde. Ich sehe meine Position im Leben nicht, ich sehe kein Ziel vor Augen. Es ist wieder wie vor einiger Zeit, dass es für meine Gefühlswelt keinen Unterschied macht ob ich in diesem Moment aufhörte zu existieren. Ohne Antrieb mir selbst einen Sinn zu geben treibe ich nun umher und lebe meine „Sucht“ nach diversen Ablenkungen aus. Nur mit dem Unterschied das mir klar ist, dass menschliche Kontakte selbst nur eine Ablenkung sind und man durch die Befriedigung andere Menschen ausnutzt. Mit dieser Erkenntnis ist der Genuss dieser Ablenkung auch wieder geschmälert. Außerdem ist die Vielfalt der Menschen die man ausnutzen könnte geschmälert, ich kenne in Wien nur sehr wenige und diese haben zwecks Arbeit und Lernen wahrlich besseres zu tun als nur meine Sucht nach Ablenkung von der Einsamkeit zu befriedigen. Warum sollten sie auch mit der Erkenntnis nur ausgenutzt zu werden?